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Gemeinsam eine Vision für München 2040 schaffen. Unter dieser Zielsetzung erarbeiteten die verschiedenen Arbeitsgruppen des Münchner Wirtschaftstages 2021 Positionen für einen zukunftsfesten Wirtschaftsstandort München. Die Ergebnisse wurden im Sommer 2021 in der Abschlussveranstaltung des Wirtschaftstages vorgestellt und ein finales Feedback unserer Mitglieder eingeholt. Das Ergebnis in Form unseres Positionspapiers "Vision München 2040 - den Wirtschaftsstandort München zukunftsfest denken" wurde im Anschluss erarbeitet und konnte Ende 2021 vorgestellt werden. Vielen Dank an alle unsere Mitglieder für Ihre Beiträge und vor allem für die aktive Mitwirkung in unseren hochkarätigen Arbeitsgruppen.

München, 22. November 2021

Vizepräsident Hans Hammer

Vorsitzender des Bezirks München im Wirtschaftsbeirat Bayern

Auf der Grundlage der Beiträge aus den folgenden Arbeitsgruppen:

Mobilität: Dr. Albert Geiger

Klima: Klaus Sojer

Wohnen: Julia Finkeissen

Digitalisierung/Innovation: Dr. Marc Tenbücken

Startups/ Unternehmensgründungen: Vinzent Ellissen

Bildung: Nicolas Seidl

Gemeinwohl: Lorenz Beringer

Die Landeshauptstadt München ist eine lebenswerte und attraktive Metropole. Sie ist auch deswegen beliebt, weil sie vielen Menschen und Unternehmen langfristige Chancen sowie Perspektiven bietet und dabei innovativ und weltoffen ist. Mit ihrer starken Anziehungskraft wächst die Landeshauptstadt kontinuierlich. Die Stadtpolitik hat dieses Wachstum jedoch über viele Jahre nicht aktiv und positiv begleitet, sondern zeitweise sogar negiert und die Stadt nicht ausreichend auf die kommenden Jahrzehnte vorbereitet. Wir müssen Wachstum annehmen und ermöglichen, fördern, gestalten und Perspektiven schaffen, damit München Zukunft hat.

Mit der Leitidee, eine „Vision München 2040" zu erarbeiten, haben wir im Rahmen des Münchner Wirtschaftstages 2021 in Workshops mit Experten Ziele und Maßnahmen für einen zukunftsfesten Wirtschaftsstandort München entwickelt. Die Visionen für München umfassen die Themenfelder Mobilität, Klima, Wohnen, Digitalisierung, Start-Ups, Bildung und Gemeinwohl, sowie konkrete Maßnahmen die erforderlich sind, um diese Ziele zu erreichen.

Mobilität nachhaltig ermöglichen, nicht verhindern 

Vision: München 2040 – Pionier smarter Mobilität 

Mobilität muss ganzheitlich angegangen werden. Alle Mobilitätsteilnehmer sollen ihre Wünsche nach Mobilität entsprechend ihrer Vorlieben und Bedürfnisse erfüllen können. Dabei stehen Effizienz und Nachhaltigkeit des gesamten Systems im Vordergrund und nicht die einzelner Verkehrsträger. Dazu werden wir alle Formen der Mobilität nutzen und einsetzen. Es gibt nicht die eine Antwort; es gibt viele und wir müssen alle entsprechend ihrer jeweiligen Vorteile verfolgen und nutzen. Intermodalität im Einklang mit den Klimazielen wird die Leitlinie der Mobilität der Zukunft werden müssen. Wir setzen auf Anreize und ein besseres und optimiertes Angebot, in Teilen auch mehr Angebote sowie Verkehrsvermeidung ohne Druck. Verbote oder ideologische Einschränkungen wollen wir vermeiden.

Ziele und Wege: Urbanisierung und wachsende Mobilität nachhaltig ermöglichen 

Urbanisierung geht in wachsenden Städten wie München mit steigender Flächenknappheit und höherem Mobilitätsaufkommen einher. Begrenzte Flächen verlangen neue Mobilitätslösungen. Wir wollen Urbanisierung und Mobilität nicht verhindern, sondern gestalten.

Mobilität auf allen Ebenen denken 

Bislang findet Mobilität in München vor allem auf der Straße oder im Untergrund statt. Der Platz über den Straßen oder der Luftraum wird bislang wenig genutzt und auch unter der Erde ist noch mehr möglich. Zukünftig müssen alle Ebenen erschlossen und genutzt werden (z. B. durch Seilbahnen, Flugtaxis, unterirdische Liefersysteme, U-Bahnen und weitere Tunnels o.ä.).

Logistik als Teil der Mobilität begreifen: 

Mehr Menschen und mehr Wirtschaft in der Stadt erfordern eine umfangreichere und komplexere Logistik. Der Lieferverkehr sollte mithilfe von Packstationen an zentralen Orten wie ÖPNV-Haltestellen, Verteilzentren oder Mikrolagern besser organisiert werden. Neue Technologien wie elektrische Zustellfahrzeuge können Immissionen vermeiden. Das setzt auch die Schaffung von und an Anbindung an die notwendige Infrastruktur voraus. Auch unterirdische Systeme (z.B. Cargo sous terrain, https://www.cst.ch ) bieten Potentiale. Logistikflächen sind vorausschauend zu sichern.

Infrastruktur umfassend modernisieren und ausbauen: 

Der Ausbau der ÖPNV- und Individualverkehrsinfrastruktur in München hinkt seit Jahrzehnten der wachsenden Bevölkerung hinterher. Es wird Zeit, dass München ein Gesamtkonzept zum Ausbau des ÖPNV und der Verbesserung des Individualverkehrs vorlegt und umsetzt. Dabei müssen auch langfristige Großprojekte ins Auge gefasst werden. Der Autobahnring muss endlich vervollständigt werden, es sollte ein Park-and-Ride-Ring um München mit unterirdischen Parkhäusern geplant werden, ein Radstraßennetz, die Erweiterung des U-Bahn-Netzes sowie eine bessere Anbindung des Flughafens (Fernverkehrsbahnhof, Express-S-Bahn) sind erforderlich. Die Taktfrequenz des ÖPNV muss erhöht werden, auch ins Umland. Eine intermodale Verkehrssteuerung muss flächendeckend eingeführt werden.

Mit KI und Digitalisierung die Effizienz der Mobilitätsinfrastruktur steigern: 

Das steigende Mobilitätsbedürfnis sowie die steigende Zahl an Menschen in der Stadt erfordern eine optimale bzw. verbesserte Nutzung der bestehenden Mobilitätsinfrastruktur. Hierfür sollten Digitalisierung und KI zielgerichtet eingesetzt werden. Beginnend bei durch KI aufeinander abgestimmte intermodale Verkehrslenkung (Park-Apps, Sharing Dienste usw.) bis hin zur Kommunikation von Verkehrsleitsystemen mit dem Fahrer und zukünftig dem autonom fahrenden Verkehr lässt sich die Effizienz stark erhöhen sowie öffentlicher und Individualverkehr besser zusammenbringen.

Verständnis und Akzeptanz für den Wandel schaffen: 

Die Zukunftsfähigkeit in Mobilitätsbelangen ist essenziell mit der Akzeptanz der Bevölkerung verbunden. Nur wenn die Mobilitätsangebote für alle Bürger sinnvoll einsetz- und bezahlbar sind, kann die notwendige Akzeptanz geschaffen werden. Verbote für bestimmte Mobilitätsarten, sowie unverhältnismäßige Bepreisung von Verkehrsmitteln und -räumen oder künstliche Beeinträchtigungen von Verkehren aus ideologischen Gründen sorgen für eine Ablehnung von Maßnahmen, anstatt deren gesamtgesellschaftliche Akzeptanz zu steigern. Statt auf Verbote setzen wir auf Anreize und Angebote. Eine intelligente, ausgewogene und lenkende Bepreisung der Verkehrsmittel und damit auch des öffentlichen Raums (Parken, variable Straßennutzungsgebühr) ist als Teil eines Gesamtkonzeptes zwar notwendig, muss aber besonders um Akzeptanz werben.

Klima durch Innovationen statt über Bürokratie und Reglementierung 

Vision: München 2040 – Stadt der Nachhaltigkeit 

Klimapolitik ist eine globale Herausforderung, die international gelöst werden muss. Dennoch kann München selbst viel zum Klimaschutz beitragen und sich als Schrittmacher innovativer Klimapolitik etablieren. München macht bereits heute viel für Nachhaltigkeit. Daran kann die Landeshauptstadt anknüpfen. Auch hier gilt: Wir setzen auf Anreize und Innovationen anstatt auf Verbote und entwickeln Konzepte sowie Technologien für den Export.

Ziele und Wege: Innovationen für ökologische Energieerzeugung/ -verwendung 

Die Stadt selbst kann den Einsatz erneuerbarer Energien weiter ausbauen und Möglichkeiten der CO2-Speicherung und -Abscheidung nutzen. Wir wollen zugleich die Innovationsfähigkeit der Münchner Wirtschaft und Gesellschaft einsetzen, damit München als Forschungsspitzenreiter Technologien für den Umweltschutz der Zukunft hervorbringt.

  • Der Einsatz und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen in Gebäuden und Betrieben muss erleichtert und gefördert werden. Dazu gehört es auch, neben öffentlichen auch private Ladestationen im Stadtgebiet mit Ökostrom zu betreiben. Der Verbrauch von Strom sollte wo möglich minimiert werden (bspw. LED-Straßenbeleuchtung).
  • Wir schlagen vor, eine Anlage zur Erzeugung von Biodiesel zu errichten. Bioabfälle und Grünschnitt eignen sich für die Verwendung in einer Biodieselanlage. So könnten Abfälle aus Privathaushalten und öffentlichen Einrichtungen als Biodiesel im städtischen Fuhrpark eine weitere Verwendung finden.
  • Es gibt im städtischen Bereich noch große Potenziale zur Energiegewinnung, die genutzt werden können. So sollten in Zukunft vermehrt Dachflächen an Betreiber von PV-Anlagen vermietet werden. Grundsätzlich sollten Anreize geschaffen werden, freie Flächen (Fassaden/Dächer usw.) zu begrünen oder anderweitig zu nutzen. Die Kombination aus Tiefen-Geothermie für Fernwärme und der oberflächennahen Geothermie bietet weitere Möglichkeiten, die es zu nutzen gilt.
  • Die Speicherung und Abscheidung von CO2 sind wichtige Bausteine zur Senkung der CO2-Emissionen. Die Stadt kann durch Einsatz neuer Technologien aus diesem Bereich ihre CO2-Emissionen wirksam verringern. Sie sollte Pilotprojekte aufsetzen, wie z. B. Direct-Air-Capture-Anlagen, CO2-Katalysatoren bei Verbrenner-Heizungen oder CO2-Staubsauger bei Müllverbrennungsanlagen.
  • Eine neue Plattform „Drehscheibe Klima-Innovation München" soll Politik, Forschung, Risikokapital und Testmärkte zusammenbringen und so den Umweltschutz vorantreiben.
  • München verfügt über exzellente Forschungszentren. Zur effizienten Entwicklung und Verbesserung von Klimaschutztechniken und deren Umsetzung in der Praxis sollten die Münchner Forschungskapazitäten koordiniert und gebündelt werden, um so dank Synergieeffekten schneller und günstiger Lösungen zu finden.
  • Der Bereich Klimaschutz wird neue Geschäftsmodelle hervorbringen. Zur Finanzierung von Prototypen und „use cases" sollten große Unternehmen der Stadt und des Freistaats mit einbezogen werden. Ziel ist die Bündelung der Prozesse in klimarelevanten Feldern: von der Erfindung bis zur Marktreife (z.B. Wasserstoffnutzung, Batterietechnologie, Stromspeicherung, Verfahren zur aktiven Reduktion klimarelevanter Gase in der Atmosphäre, Weiterentwicklung von Bio-Diesel/Bio-Kerosin-Anlagen, Fortführung der Forschung „Wasser generieren").
  • Zur Finanzierung größerer Klimaschutzinvestitionen sollte ein Marktplatz für Bürgerbeteiligungen geschaffen werden (z.B. Finanzierung von Elektrobussen der MVG nach dem Vorbild von Crowdfunding für Unternehmen). So kann das Kapital und die Akzeptanz für Investitionen in den Umweltschutz gesteigert werden.
  • Ein gefördertes Beratungsangebot für Unternehmen zur ersten CO2-Bilanzierung ermöglicht die Identifizierung von CO2-Quellen und folglich die Vermeidung des Ausstoßes. Nur wer seine Quellen kennt, kann diese auch strategisch mindern.
  • Die Stadt muss sich dafür einsetzen, dass Unternehmen und Bürger im Rahmen des Zertifikate-Handels eigene Zertifikate durch CO2 Einsparung generieren können und somit für aktive CO2 Reduktion in besonders schnell und einfach umzusetzenden Bereichen sorgen.

Modernes, nachhaltiges und bezahlbares Wohnen möglich machen 

Vision: München 2040 – Stadt der Vielfalt 

München 2040 ist die Stadt der kurzen Wege und mit menschlichem Gesicht. Es gibt ausreichend bezahlbaren Wohnraum. Unterschiedlichste Wohnformen stehen für verschiedenste Wohn- und Lebensbedürfnisse zur Verfügung. Es gibt keine ideologischen oder politischen Vorgaben bestimmter Wohnformen, geschweige denn Verbote.

Ziele und Maßnahmen: Differenzierte Angebote für veränderte Wohnformen, Umland einbinden, schnellere Prozesse und Anreize für Wohneigentum 

Die Wohnformen verändern sich. Wohnen, Arbeiten, Zusammenleben und Erholung, Home-Office, Digitalisierung, mehr Menschen in der Stadt, Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit – dafür muss die Stadt Antworten liefern und Rahmenbedingungen schaffen.

  • Wohnangebot auch im Umland ausbauen und um neue Wohn-Lebens-Konzepte erweitern, Förderprinzip auf den Menschen ausrichten: Durch eine bessere Nutzung der bereits voll erschlossenen, aber noch nicht bebauten Baulücken und Brachflächen kann zusätzlich benötigter Wohnraum durch Ausnutzung von Synergieeffekten günstig geschaffen werden. Gleiches gilt für die Aufstockung bereits bestehender Gebäude.
  • Die innerstädtischen Maßnahmen allein werden nicht ausreichen. Die Anbindung an die umliegenden Landkreise ist zu verbessern (ÖPNV wie auch Individualverkehr), um das Wohnen im Umland attraktiver zu gestalten und so den Wachstumsdruck auf die Stadt zu verringern. Man wird nicht umhinkommen, mehr Wohngebiete auch in umliegenden Gemeinden auszuweisen. Hierfür ist ein gemeinsames Dialogforum von Stadt und Umlandgemeinden zur Erstellung ganzheitlicher gemeinsamer Konzepte zu schaffen. Statt Mietendeckel, Verbote, Regularien, Bürokratie und Auflagen sind Angebote, Anreize und Impulse erforderlich. Solange es nicht mehr Wohnungen gibt, sind Verdrängungseffekte unvermeidbar. Die Antwort hierauf ist: Bauen.
  • Um bezahlbaren Wohnraum zu gewährleisten, ist eine Subjektförderung (Wohngeld) effektiver als die Förderung konkreter Wohnflächen ohne Bedarfsprüfung und das Festhalten an der Mietpreisbremse. Die Stadt kann neue Lebensmodelle durch Co-Housing-Projekte fördern und über Tauschbörsen die Möglichkeit schaffen, Wohnungen bedarfsgerecht zu tauschen.
  • Baugenehmigungen müssen in kürzeren Zeiträumen nach neu festgelegten Standards erfolgen.
  • Nachverdichtung vermeidet weitere Bodenversiegelung.
  • Wohneigentum fördern – Steuerliche Anreize schaffen für Eigenheime: In Deutschland ist die Wohneigentumsquote innerhalb der OECD am zweitniedrigsten. Dies hat vor allem historische Gründe, liegt aber auch an den finanziellen Hürden wie Grunderwerbsteuer, Notar- und Maklergebühren, Erbschaftsteuer. Das Münchner Heimstätten Modell macht den Erwerb von Eigentum für Münchner Bürger attraktiver. Es reduziert u.a. die Grunderwerbsteuer, Notargebühren, Maklergebühren, Erbschaftsteuer und kann die Erwerbskosten um durchschnittlich 10-20 Prozent senken.

Digitalisierung für eine moderne Verwaltung und lebenswerte urbane Räume 

Vision: München 2040 – an der Spitze der Digitalisierung 

Ein modernes München muss an der Spitze der Digitalisierung stehen. Die digitale Landeshauptstadt ermöglicht neue Bürgerdialoge, Entscheidungshilfen für Experten, schnelle sowie transparente Planungs- und Genehmigungsverfahren, bietet einen schnellen reibungslosen Bürgerservice und effiziente Abläufe für die Unternehmen.

Ziele und Maßnahmen: Digitale Verwaltung, digitale Bürgerkommunikation 

Verwaltung digitalisieren 

Die Stadt legt einen Stufenplan vor, mit dem binnen 8 Jahren sämtliche Verwaltungsvorgänge für Bürger und Wirtschaft vollständig digital abgewickelt werden können. Professionell erhobene Daten ermöglichen, dass Verwaltungsvorgänge effizienter und zielgruppenspezifischer erbracht werden können. Dadurch kann auch eine stärkere Outcome-Fokussierung (Messbarmachung) der Verwaltungsleistung möglich gemacht werden. Eine mutige Implementierung von künstlicher Intelligenz in der Verwaltung unterstützt dies. Somit wird ein „Digitaler Core" gebildet, um den herum nützliche Services aufgebaut werden können.

Datenplattformen für die Bürger, Open Data für Innovation 

Datenplattformen bieten Bürgern und Unternehmen die Möglichkeit, an der Stadtplanung mitzuwirken. Die Stadt stellt Bürgern und Wirtschaft Daten der kommunalen Verwaltung in einer verlässlichen und anonymisierten Form zur Verfügung (z. B. Mobilitätsdaten oder Umweltdaten). Bürger und Unternehmen können auf die Daten zugreifen, sie analysieren und hieraus neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln.

Digitale Identitäten 

Es gilt sichere digitale Identitäten für die Bürger Münchens einzurichten. Die digitale Identität ist eine grundlegende Infrastruktur, die jeder Bürgerin und jedem Bürger für vielfältige Aktivitäten eine sichere, vertrauenswürdige und eindeutige, d.h. ein- und dieselbe Identität gibt. So sollen durch eine Single-Sign-On-Lösung die Münchner Bürger die Möglichkeit bekommen, alle Verwaltungsvorgänge zentral und gebündelt über ein Portal abzuwickeln.

Verbesserung der urbanen Lebensqualität 

Durch die Digitalisierung soll die hohe Lebensqualität Münchens gesichert und gesteigert sowie Wertschöpfung in der Stadt gehalten werden. Ansatzpunkte hierzu können sein:

  • Multifunktionale Nutzungskonzepte für öffentliche und private Flächen, Sharing, Co- working und -living, temporäre und wechselnde Nutzungen.
  • Workation – die Verbindung von Arbeit und Freizeit möglich machen.
  • Digitale Angebote/Plattformen, die den Dialog zwischen Stadt und Unternehmen stärken und städtische Stellen übergreifend vernetzen.
  • Die Verfügbarkeit von Büroflächen, von Wohnraum, Mobilitätsplanungen, die Nutzung von Räumen kann über digitale Plattformen verbessert werden.
  • Digitalisierung gezielt für eine ökologische Lebensweise einsetzen: Quartiersdaten (Luftqualität und Lärmdaten) auswerten und handeln.

Startups/Unternehmensgründungen sind die Zukunft der Stadt 

Vision: München 2040 – Etablierung als Gründerstadt 

München soll bis 2040 die Stadt mit den nachhaltig erfolgreichsten Startups in Europa sein. Wir sehen in Startups die Chance, als Standort mit Hilfe von Innovationen global wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie können unsere Lebensqualität durch neue Produkte und Dienstleistungen erhöhen, neue interessante Bürger für München gewinnen und Wohlstand generieren.

Ziele und Maßnahmen: Ein besseres Ökosystem für Gründer etablieren 

Münchner Startups sollen bis 2040 eine tragende Säule für eine auch in Zukunft stabile und wachsende Wirtschaftskraft werden. Dafür soll die Anzahl der Arbeitsplätze in Startups bis 2040 vervierfacht und der Umsatz von Startups bis 2040 verzehnfacht werden.

Einrichtung eines Concierge-Services 

Startups sollen für alle relevanten behördlichen und rechtlichen Fragen einen individuellen „Concierge" von der Stadt erhalten, um ihnen mehr Planungssicherheit für behördliche Abläufe zu geben. Dieser begleitet Startups bei Pilotprojekten, die behördliche Abstimmungen benötigen. Der Concierge lernt so die Probleme der Startups kennen und kann als „vertrauter Dritter" Prozessveränderungen in den städtischen Referaten anstoßen.

Finanzielles Startup-Paket 

Um mehr Startups nach München zu ziehen und hier zu halten, sollten diese finanzielle Zuwendungen in Form von Steuererlassen oder bedingte Förderungen erhalten (bspw. der Firmensitz hat mindestens zehn Jahre in München zu sein, andernfalls ist die Förderung verzinst zurückzuzahlen).

Match-Maker für Startups und Investoren 

Das Ziel, Münchener Startups mit Münchener Investoren zusammenzubringen, kann durch einen städtischen Match-Maker gefördert werden, der im Interesse beider Parteien als neutraler Dritter vermittelt.

PR für Startups 

München hat eine ausgezeichnete und international renommierte technologieorientierte Gründerszene. Um München noch stärker als Standort für Gründer, Innovationen und Partnerschaften bekannter zu machen, muss den Münchner Startups mehr internationale Sichtbarkeit verschafft werden. Die Stadt sollte hierfür regelmäßig von München aus PR-Kampagnen mit Medienpartnern für und mit ausgewählten Startups veranstalten.

Marktplatz lokaler Startup Services 

Um die Bürger mit den Startups zu vernetzen, soll es ein Verzeichnis sowie einen Marktplatz lokaler Startups geben. Dieser bietet einen Überblick über Produkte und Services und ermöglicht so eine Kaufentscheidung, welche lokale Services der Startups berücksichtigt. Bei einer „Langen Nacht der Startups" können Unternehmen Begegnungen herstellen mit Zielgruppen, die sonst wenig Kontakt mit Startups haben. Als weiteren Effekt kann eine solche Veranstaltung auch eine Bühne bieten, um die Startup-Kultur zu prägen und für sie zu werben.

Crowd Ownership 

Über eine Münchner Crowdfunding Plattform sollen Bürger in Startups investieren können. So können die Bürger lokale Startups unterstützen und im Erfolgsfall Geld verdienen. Die Startups erhalten so Zugang zu Kapital und direktes Marktfeedback.

Gute Arbeitsplätze 

Wir wollen Münchner Startups unterstützen, „gute Arbeitsplätze" zu schaffen.

  • Leitbild „gute Arbeit": Dafür ist zunächst notwendig zu definieren, was einen „guten Arbeitsplatz" ausmacht. Mögliche Kriterien können sein: Bezahlung, flexible Arbeitszeiten /-ort, Weiterbildung, Kinderbetreuung, Altersvorsorge usw.
  • Auszeichnung für Startup-Arbeitgeber: Um Startups bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter, Kunden oder Partner zu unterstützen, sollen Startups, die „gute Arbeitsplätze" schaffen, eine Auszeichnung bekommen. Daneben werden andere Unternehmen incentiviert, dem Vorbild zu folgen.
  • Beteiligung der Mitarbeiter: Für zufriedenere Mitarbeiter sollten Startups ihre Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligen. Dafür sollte für Startups ein Paket bereitgestellt werden, bestehend aus Verträgen, steuerlichen Bewertungen und Umsetzungsempfehlungen, um ein erfolgreiches VSOP mit geringem Aufwand auf- und umsetzen zu können.

Co-Creation Startups & Behörden 

Zur Beschleunigung der Modernisierung der Verwaltung sollten Wettbewerbe für die effizientere Gestaltung von Verwaltungsvorgängen durchgeführt werden. Hierbei können Startups ihre Lösungsansätze einbringen, um Prozesse in der Verwaltung schneller, benutzerfreundlicher und kostengünstiger zu gestalten.

Bildungsangebot für relevante Startup-Skills schaffen 

Um Startups erfolgreich zu machen, bedarf es Mitarbeiter mit entsprechenden Fähigkeiten. Wir wollen, dass von der Stadt Kurse angeboten werden, um entsprechende Fähigkeiten (Kommunikation im Team, Strukturierung von Themen, Storytelling, agiles Arbeiten, Konfliktlösung, Online Marketing uvm.) zu erlernen.

Mehr für die Bildung tun, heißt mehr für die Zukunft tun 

Vision: München 2040 – Stadt der Kreativität, des Wissens, der Bildung 

Eine gute Bildung eröffnet Chancengleichheit für alle. Als Bildungs- und Wissenschaftsstandort von Weltrang ist München gut aufgestellt: Führende Universitäten, Grundlagenforschung, angewandte Forschung, hervorragende Bildungseinrichtungen. Damit dies so bleibt, muss die Qualität der Bildung und Forschung nicht nur stabil bleiben, sondern weiter zunehmen. Wissen und Bildung ist der wichtigste Rohstoff Münchens.

Ziele und Maßnahmen: Bessere Bildung durch Digitalisierung, Medienerziehung 

Die digitale Bildung an Bildungseinrichtungen muss einen höheren Stellenwert erhalten. Grundvoraussetzung für die Vermittlung des Wissens ist eine adäquate technische Ausstattung. Zugleich gilt es, die digitalen Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger zu stärken.

Forcierung des Breitbandausbaus 

Bis 2025 ist eine gigabitfähige Infrastruktur an Bildungseinrichtungen zu schaffen. Dabei ist der Glasfaserausbau bis zur letzten Meile zu forcieren und der Masterplan „Bayern Digital II" konsequent umzusetzen. Parallel hierzu ist der 5G-Ausbau sowie das Angebot öffentlicher Hotspots voranzutreiben. Zudem sind alle Bildungseinrichtungen mit schnellem WLAN und einem zuverlässigen IT-Support auszustatten. Entsprechende Hard- und Software ist den Bildungseinrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Medienerziehung: 

Nutzer, Eltern und Lehrer sind hinsichtlich Social Media-Anwendungen zu sensibilisieren. Über Medienführerscheine ist die Medienkompetenz zu sichern. Insbesondere die Aufklärung darüber, wie neue Medien sicher genutzt und deren Inhalte verifiziert werden können, sind erforderlich.

Sicherung politischer und wirtschaftlicher Bildung: 

Die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen machen deutlich, dass politische Bildung die Grundlage für unser Demokratieverständnis ist. Es gilt, frühzeitig Wissen zu vermitteln, das der Stärkung sozialer Kompetenzen dient. Gleiches gilt für die wirtschaftliche Bildung. Es ist ein stärkerer Praxisbezug in der Vermittlung ökonomischer Kompetenzen notwendig. Ein Gründungs-Know-how muss frühzeitig vermittelt werden.

Umsetzung von Kooperationsprojekten: 

Über Kooperationsprojekte mit Politikern und Vertretern der Wirtschaft sind Seminarreihen zu entwickeln, die frühzeitig Politik- und Wirtschafts-Know-how vermitteln. Es sollte eine Anreicherung von Lehr- und Lernplänen zu diesen Themen erfolgen.

Vermittlung von Start-Up-Know-How: 

Eine Start-Up-Gründerwerkstatt kann in Zusammenarbeit mit Universitäten und Vertretern der Wirtschaft dafür sorgen, dass Schülern, Auszubildenen und Studenten eine Gründungskultur vermittelt wird. Sie agiert nach dem Motto vom „Small Tech" zum „Big Tech" und knüpft bei der TUM und LMU bzw. dem „Center for Digital Technology and Management" der LMU an. Eine besondere Rolle spielen des Weiteren die Kreditinstitute, die ihr Know-how einbringen sollten.

Förderung des Bewusstseins der Notwendigkeit des Lernens: 

In Kooperation mit den führenden Unternehmen der Region München ist über gemeinsame Bildungsprojekte und die Etablierung eines „Bildungspasses" das Bewusstsein zu sichern, dass lebenslanges Lernen notwendig ist. Der Bildungspass sorgt für die Definierung einheitlicher Stufen und Phasen der Bildung und die Umsetzung in Unternehmen auf Grundlage von einheitlichen Standards.

Unterstützung der Kooperation und des Wissenstransfers zwischen Forschung/Lehre und mittelständischen Unternehmen 

Über Runde Tische, Börsen, Wettbewerbe und weitere Formate ist der Austausch zwischen den diversen Forschungseinrichtungen und der mittelständischen Münchner Wirtschaft zu intensivieren, um Innovation von der Theorie in Produkte umzusetzen.

Gemeinwohl hält die Gesellschaft zusammen 

Vision: München 2040 – Gemeinwohl-Leader 2040 

München soll bis 2040 europäischer Gemeinwohl-Leader werden. Münchens Unternehmen sind als Innovationstreiber und Arbeitgeber Wohlstandsanker und Gemeinwohlförderer. Die Herausforderung ist, dass im Hinblick auf die o.g. Aspekte nicht nur von städtischer Seite, sondern auch und insbesondere durch unternehmerische Initiativen, nach tragfähigen Lösungen zur Milderung der Risiken gesucht werden muss. Die nachfolgenden Ziele und Maßnahmen zeigen Optionen und Chancen auf, München im Hinblick auf das Gemeinwohl besser zu machen.

Ziele und Maßnahmen: Gemeinwohl-Engagement der Unternehmen würdigen und erleichtern 

Ausrichtung des Gemeinwohlbeitrags am Kerngeschäft: 

Die meisten Unternehmen in München leisten bereits heute einen Beitrag für das Gemeinwohl, ohne dass ihnen das bewusst ist. Hierfür benötigt es eine politische und gesellschaftliche Wertschätzung und Förderung. Dafür ist zunächst zu bestimmen, was unter dem Begriff „Gemeinwohl" zu verstehen ist und dies über eine Kampagne zu verbreiten.

Gemeinwohl für Unternehmen nutzbar machen: 

Um den Gemeinwohlbeitrag Münchner Unternehmen sichtbar zu machen, fordern wir eine Auszeichnung besonders engagierter Unternehmen in diesem Bereich (Gemeinwohlpreis) sowie einen Gemeinwohlatlas zu schaffen, in dem alle Münchner Organisationen und Unternehmen bewertet und begutachtet werden. Mit Hilfe dieses Atlasses können Unternehmen Schwachstellen besser identifizieren und reflektieren. Zugleich sollten besonders gemeinwohlfreundliche Unternehmen durch die Stadt gefördert werden (z. B. in den Kategorien Clean City, Smart City, Young Talent City, Citizen Participation City).

Flexibilität schafft gemeinwohlfreundliche Räume: 

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Arbeitsmodelle wie das Home-Office in den Fokus rücken können. Work-Life-Balance wird in Zukunft immer wichtiger werden. Unternehmen, die ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeitsbelastung, aber flexiblen Modellen berücksichtigen, leisten einen unverzichtbaren Gemeinwohleitrag für die Stadt München und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Durch mehr Familienfreundlichkeit können Unternehmen einen Beitrag zu mehr Diversität in (Führungs-) Positionen leisten (Übernahme Kita-Gebühren; Anreize Elternzeitz; mehr Kündigungsschutz).

München darf sich nicht ausruhen auf den Erfolgen von gestern: 

Die Stadt München muss dauerhaft nach kreativen und innovativen Konzepten suchen, um auch in Zukunft erfolgreich und lebenswert zu sein. Deshalb soll die Stadt bis 2040 ein Leuchtturmprojekt, wie bspw. die Olympischen Spiele oder „Kulturhauptstadt Europas", unter der Berücksichtigung von Gemeinwohl, Nachhaltigkeit und sozialen Aspekten ausrichten und forcieren. München könnte so zum Best-Practice-Beispiel werden, um dauerhaft wieder große Sportereignisse in Westeuropa stattfinden zu lassen. Dafür sollte die Stadt zusammen mit Unternehmen eine Taskforce gründen und prüfen, welche noch nicht realisierten Reformprojekte dringend umgesetzt werden müssen. Dabei kann auch ein neuer Slogan für die Stadt gefunden werden, ähnlich dem Motto „Laptop und Lederhosen", welcher zeitgemäß die Herausforderungen widerspiegelt, zugleich aber auch Ansporn ist, die Stadt zum Gemeinwohl-Leader unter Berücksichtigung von marktwirtschaftlichen Aspekten weiterzuentwickeln.